Push-Down-Technik bei der Nasen-OP

Nasenrückenerhaltung durch Push- oder Let Down

Die Nasenkorrektur ist eine der wenigen Disziplinen der ästhetischen Chirurgie, bei der man heutzutage eine Vielfalt an neuen Techniken erlebt im Streben danach, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. 

 

Manche von diesen Techniken werden die Prüfung durch den Zeitfaktor nicht bestehen und werden durch neue, vermeintlich bessere Techniken ersetzt, manche von ihnen erleben durch wichtige Veränderungen ein wahres Comeback, wie die Technik von Push- oder Let Down, die von Dr. Yves Saban, Nizza, modifiziert wurde. Die weitere Entwicklung der Technik wird, zusammen mit Dr. Saban, von einer internationalen Gruppe Nasenchirurgen, zu der ich auch gehöre, durchgeführt.

Die Fotos zeigen unsere Patientin nach Operation einer Schiefhöckernase mit hängender Nasenspitze. Nasenrückenoperation mit Let Down Technik.

Vorteile

Das Leitprinzip dieser Art der Nasenkorrektur ist, dass man nach einer Nasenhöckerabtragung, statt den Nasenrücken mit verschiedenen Maßnahmen zu rekonstruieren, den Nasenrücken intakt lässt und zurückverlagert. 

 

Stellen Sie sich ein mehrstöckiges Gebäude vor mit einem wunderschönen Dach vor, das niedriger werden soll. Wenn Sie zwei Möglichkeiten hätten: das Dach abzureißen und dann in einer kleineren Form zu rekonstruieren oder wenn Sie das oberste Stockwerk herausnehmen könnten unter Erhaltung des Daches, für welche Option hätten Sie sich entschieden? 

 

Das Problem bei der Nasenkorrektur, bei der ein Höcker abgetragen werden muss ist, dass häufig trotz allen Rekonstruktionsmaßnahmen und Sorgfalt die Heilungskräfte zu kleinen oder weniger kleinen Unregelmäßigkeiten nach mehreren Jahren führen.

 

Manche Camouflagemaßnahmen sind auch nicht von dauerhaftem Erfolg, daher bietet sich die Technik mit Erhaltung des Nasenrückens bei symmetrischem Nasenrücken als die Technik der Wahl an.


Durchführung der Push-Down/Let-Down-Technik

Ein knorpelig-knöcherner Streifen aus der Nasenscheidewand wird unterhalb des Nasenrückens vorsichtig entnommen, danach wird die gesamte knöcherne Nasenpyramide vorsichtig durchtrennt und nach unten verlagert, so dass die Nase genau um die Höhe des entnommenen Streifens niedriger wird. 

 

Die Knochendurchtrennung wird am besten, besonders bei Anfängern, mit einem Ultraschallmesser (Piezoelektrisches Instrument) durchgeführt, da die Präzision viel höher ist als beim klassischen Meißel, bei dem manchmal unkontrollierte Frakturen entstehen können, die zur Schädigung der Schädelbasis führen können. Das bedeutet im übertragenen Sinne, um so viele Stockwerke, wie Sie an Ihrem Gebäude entnehmen, um so viel niedriger wird Ihr Gebäude.

 

  • Wenn eine einfache Streifenentnahme aus der Nasenscheidewand genügt, nennt man es Push Down, da der Nasenrücken vorsichtig nach unten gedrückt wird. 
  • Falls bei größeren Nasen ein knöcherner Streifen aus dem Nasenrücken beidseits unten entnommen werden muss nennt man es dann Let Down.
Bild 1: Vereinfachte Darstellung der Nasenanatomie mit einem knöchern-knorpeligen Höcker
Bild 1: Vereinfachte Darstellung der Nasenanatomie mit einem knöchern-knorpeligen Höcker
Bild 2: Durchtrennung der Nasenpyramide, in diesem Falle mit dem Ultraschallmesser
Bild 2: Durchtrennung der Nasenpyramide, in diesem Falle mit dem Ultraschallmesser
Bild 3: Verlagerung der Nase nach innen und das „Versenken“ des Höckers
Bild 3: Verlagerung der Nase nach innen und das „Versenken“ des Höckers

Der Höcker bleibt unsichtbar

Bild 4: Sogenannte Knorpelschuppen gebunden mit körpereigenem Fibrin /PRF
Bild 4: Sogenannte Knorpelschuppen gebunden mit körpereigenem Fibrin /PRF

Am oberen Teil der Nase befindet sich ein Muskel und reichlich Fettgewebe. Wenn der Höcker nach unten „versenkt“ wird, bildet der mittlere Teil des Nasenrückens die Oberfläche, das oben genannte Weichteilgewebe füllt die entstandene Lücke.

 

Im unteren Anteil werden am knorpeligen Höcker „Knorpelentspannungs-Maßnahmen“ durchgeführt, so dass es zum Höhenausgleich kommt.

 

Am Ende der Nasenkorrektur hat man dann auf Dauer einen sehr glatten Nasenrücken. Falls nötig, wird ein knorpeliges Transplantat auf die Nasenwurzel oder oberhalb der Nasenspitze positioniert um eine glatte Nasenrückenkontur zu ermöglichen.

Wann kann die Push-Down-/Let-Down-Technik angewendet werden?

Aus meiner Erfahrung kann man diese Art der Nasenkorrektur anwenden bei den Patienten, die einen geraden Nasenrücken haben oder einer Schiefnase, die in ihrer Achse gerade ist. 

 

Eine Nase mit sogenannter C-Form (die wie der Buchstabe C aussieht) eignet sich nicht für diese Art Rhinoplastik. Kleinere Unregelmäßigkeiten können während der Operation behoben werden, so dass eine Push- oder Let Down Operation möglich ist. Bei Patienten mit einem ausgeprägt symmetrischen aber sehr hohen Nasenrücken ist eine Nasenverkürzung sogar ohne Hautablösung oberhalb des Nasenhöckers möglich.

Preservation Rhinoplasty – Weichteilstrukturen erhalten

In Abhängigkeit von den anatomischen Voraussetzungen können auch viele Weichteilstrukturen (Ligamente) erhalten werden. Daher spricht man von der „Preservation Rhinoplasty“ – „Erhaltungs-Nasenkorrektur“.

Risiken

Trotz ausgeprägten, eindrucksvollen Werbemaßnahmen mancher Chirurgen in den sozialen Netzwerken, besonders in Ausland, wo ein „magischer Finger“ genügt um eine Höckernase im Handumdrehen in eine schöne Nase zu verwandeln, birgt diese Technik, wie jede andere auch, gewisse Risiken.

Bei manchen Patienten kann es trotz allen Maßnahmen dazu kommen, dass der Höcker durch die Heilungsprozesse wieder sichtbar wird. Eine erneute Nachkorrektur ist in solch einem Fall nach einem Jahr grundsätzlich problemlos.

 

Bei einer geringen Zahl der Patienten kann eine Stufe am oberen Teil des Nasenrückens tastbar und ggf. sichtbar sein. Diese kann man mit Maskierungsmaßnahmen mit besonders vorbereitetem, körpereigenem Knorpel beheben.

 

Das größte Risiko dieser Methode birgt die Verletzung der Schädelbasis mit Hirnwasserfluss. Mir wurde persönlich bis jetzt nur ein einziger Fall berichtet, stellen Sie jedoch vor der Operation sicher, dass Ihr Chirurg auch so eine Komplikation erkennen und behandeln kann.

 

Illustrationen aus dem Buchkapitel:

Milos Kovacevic „Refinements in Dorsal Preservation“

„Preservation Rhinoplasty“, Herausgeber: Yves Saban, Baris Cakir, Rollin Daniel, Peter Palhazi